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Wenn Zustimmung Ablehnung bedeutet

Kontextbezogene Kommunikation in ostasiatischen Ländern

Im Umgang mit Informationsgewinnung und -verarbeitung gibt es höchst unterschiedliche kulturelle Konzepte. Der US-Anthropologe Edward T. Hall stellte bereits 1976 die Kulturdimension des schwachen, beziehungsweise starken Kontextbezuges vor. Bei Kulturvergleichen befinden sich Deutschland und die ostasiatischen Länder China, Japan und Korea an nahezu entgegen gesetzten Polen der Skala. Unser Kommunikationsverhalten weist einen schwachen Kontextbezug auf. Wir nennen die Dinge häufig direkt beim Namen und sagen offen, was wir denken. Wir konzentrieren uns auf die verbale Kommunikation – es ist das gesprochene Wort das zählt.

In Ostasien hingegen ist es unüblich, geradewegs auf den Punkt zu kommen oder die eigene Meinung unumwunden zu äußern. Dort kommunizieren die Menschen in einem sehr starken Kontextbezug: Mimik, Intonation oder Sprechpausen sind für sie eigene, wichtige Informationsträger. Auch Andeutungen und Anspielungen haben ein hohes Gewicht. Aussagen lassen somit einen wesentlich größeren Deutungsspielraum zu, und der Gesprächspartner braucht eine gute Kombinationsgabe.

Signale verstehen

Ostasiaten, die die deutsche Sprache beherrschen, loben an ihr die Genauigkeit, mit der es grammatikalisch möglich ist, Sachverhalte zu beschreiben und Dinge auf den Punkt zu bringen. Gleichzeitig beklagen sie aber die mangelnde Möglichkeit, sich nötigenfalls umschreibend und vage artikulieren zu können. Sie sind von klein auf darin geübt, die Botschaft hinter den Worten herauszuhören, die para- wie nonverbalen Signale ihrer Mitmenschen zu entschlüsseln und angemessen zu reagieren.

Wir Deutsche sind darin weniger geschult. Wollen wir eindeutig mit Chinesen, Japaner und Koreanern kommunizieren, ist es hilfreich, unsere Beobachtungsgabe zu trainieren und Antennen für diese andere Art der Kommunikation zu entwickeln.

Drei Beispiele aus dem geschäftlichen Alltag

simicon Beispiel 1

Zustimmung und Ablehnung

Herr Meister bittet seinen koreanischen Geschäftspartner um einen Gefallen. Ob Herr Lee ihm die Zahlen für die Quartalsplanung wohl eine Woche früher zukommen lassen könne, als vereinbart. „Tzs... yeessss“, antwortet Herr Lee und zieht dabei Luft durch die Zähne ein. Er werde sein Bestes tun. Seine Stimme klingt schwach, die Betonung ist gedehnt. Herr Meister versteht dies als Zusage und freut sich, mit seiner Planung schneller voranzukommen. Umso enttäuschter ist er, als die Zahlen erst zum ursprünglich zugesagten Termin eintreffen. „Wenig zuverlässig, diese Koreaner“, denkt er. Darauf, dass Herr Lee ihm höflich eine Absage erteilt haben könnte, kommt er erst nach einer Reihe ähnlicher Erfahrungen.

Zustimmung auf asiatisch

In Ostasien gilt es als unhöflich, eine Bitte abzuschlagen. Lieber stimmt man vordergründig zu, um den anderen nicht zu verletzen, und lässt die Sache dann im Sande verlaufen. Umschreibende Phrasen wie „Darüber werde ich nachdenken“ oder „Das könnte nicht ganz einfach sein“ sind typische Antworten, um keine direkte Absage zu erteilen. In unserem Beispiel waren Intonation und Zischgeräusch wichtige Hinweise von Herrn Lee, dass der Bitte sehr wahrscheinlich nicht entsprochen wird.

Kritik äußern

simiconBeispiel 2

Kritik äußern

Die Abteilungsleiterin Frau Haupt erteilt ihrer Assistentin Kobayashi einen wichtigen Auftrag, der unbedingt bis zum nächsten Morgen erledigt sein muss. Am Tag darauf stellt sich heraus, dass Frau Kobayashi diese Arbeit vergessen hat. Etwas verärgert gibt Frau Haupt ihrer Mitarbeiterin eine Rückmeldung nach den in Deutschland erlernten Feedbackregeln und weist konstruktiv auf den Fehler hin. Frau Kobayashi lacht und antwortet: „ Ich habe nicht arbeiten können, da am vorherigen Nachmittag zeitweilig der Strom ausfiel.“ Frau Haupt weiß, dass dies nicht stimmt und ärgert sich noch mehr. Besonders, dass Frau Kim die Situation offenbar nicht angemessen ernst nimmt sondern lacht, findet sie seltsam.

Stets das Gesicht wahren

In Ostasien gelten andere Regeln für den Umgang mit Kritik als in Deutschland. Um der Harmonie willen darf niemand sein Gesicht verlieren und bloßgestellt werden. Aus diesem Grund äußerst man Kritik niemals offen. Außerdem ist es allgemein akzeptiert, Fehler und Pannen nicht zuzugeben, sondern durch Ausflüchte zu kaschieren. Die Höflichkeit gebietet es dann, bei unlogischen, nicht zur Sache gehörenden Antworten nicht nachzuhaken.

Da Mitarbeiter den Erwartungen ihrer Vorgesetzten stets gerecht werden möchten, setzt Frau Kobayashi den Stromausfall als Notlüge ein. Als sie befürchtet, Frau Haupt könne diese aufdecken, ist sie verzweifelt und entschuldigt sich für ihren Fehler durch Lachen.

Ein Verhalten, das in diesem Kontext eine japanische Vorgesetzte vermutlich milder gestimmt hätte. Wie könnte Frau Haupt beim nächsten Mal anders reagieren? Sie erkundigt sich zuerst vorsichtig nach dem Auftrag und erwähnt, dass die Sache nach wie vor sehr dringlich ist. Das genügt um Frau Kobayashi zu kritisieren. Für eine stärkere Missbilligung knüpft man den entsprechenden Punkt an Lob oder die Hervorhebung bisher erbrachter positiver Leistungen an. Problematisches kommt, wenn es sich nicht vermeiden lässt, immer zum Schluss eines Gesprächs - und auch dann eher zwischen den Zeilen.

simiconBeispiel 3

Persönliche Stellungnahme Einzelner erfragen

Persönliche Stellungnahme Einzelner erfragen

Manager Dr. Beste, neu in Peking, hält einmal wöchentlich ein Treffen mit all seinen 15 Mitarbeitern ab. Er möchte in dem Teammeeting gemeinsam Lösungsvorschläge zu einem bestimmten Problem erarbeiten. In einem deutschen Meeting funktioniert das in der Regel gut und es werden Vor- und Nachteile verschiedener Vorgehensweisen diskutiert. Im Vergleich dazu sitzen die chinesischen Angestellten meist reserviert und angespannt da. Nur wenn Dr. Beste sie direkt nach ihrer Meinung fragt, ergreifen sie das Wort. Allerdings entsprechen ihre Beiträge meist nicht seinen Erwartungen. Die Chinesen geben ungenaue generelle Antworten und weichen persönlichen Stellungnahmen aus. Hakt er nach, tendieren sie zu ausladenden Bemerkungen, schweifen zunehmend vom Thema ab oder wechseln es bisweilen ganz. Dr. Beste verwirrt dieses Verhalten.

Die für den deutschen Manager ungewohnten Reaktionen der Chinesen resultieren aus einer grundlegend anderen Einstellung gegenüber Argumentation und Diskussion.

Nur keine Konfrontationen und Konflikte!

Im Westen sind wir es gewohnt unsere Meinungen, Ideen und Standpunkte mit anderen offen auszutauschen um gemeinsam ein Ergebnis zu erzielen. Angewandte Überzeugungstechniken sind dabei positive Kennzeichnen gewiefter Rhetoriker.

Für Ostasiaten ist das Ziel jeder kommunikativen Handlung das Erhalten einer harmonischen Gesprächsatmosphäre. Konfrontation und Konflikt werden bestmöglich vermieden. Unklare Ausdruckweise, Themenwechsel oder gar Schweigen sind gängige Strategien dafür. Und um die Angelegenheit einvernehmlich zu lösen werden durch das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten Brücken gebaut.

Meetings dienen in den ostasiatischen Kulturen in erster Linie der Förderung der Zusammenarbeit. Will man als Vorgesetzter persönliche Standpunkte erfahren, hält man den Teilnehmerkreis von Besprechungen möglichst klein, idealerweise befragt man die Mitarbeiter unter vier Augen.

Erschwerend kommt in diesem Beispiel hinzu, dass Dr. Beste ihr Vorgesetzter ist und der Vorschlag eines Höhergestellten im Teammeeting nicht offen hinterfragt oder kritisiert wird. Dadurch könnte sein Gesicht „verletzt“ werden.

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